Gestern war der zweite Termin meines Gitarren- und auch meines Blockflötenkurses. Innerhalb kürzester Zeit waren wir mit dem Stimmen durch – ich bin immer wieder erstaunt, wenn „Neue“ in meine Kurse kommen, die berichten, dass sie schon mehrere Jahre Gitarre spielen, aber diese nicht stimmen können, weil „das macht immer mein Lehrer.“

Wichtig finde ich immer, dass Gitarrenspieler schnell von einem zum nächsten Griff wechseln können. Teilweise nutzt man, je nachdem, von welchem Akkordgriff man kommt, andere Finger oder auch Positionen. Aber das muss automatisiert werden, damit man nicht darüber nachdenken muss, wo nun die Finger hinkommen. Fängt man da an zu überlegen, ist das Lied vorbei und man hat nur ein oder zwei Griffe hinbekommen. Deshalb wurden die drei Akkorde vom ersten Abend erst einmal hin und her gewechselt.

Als nächstes spielten wir das Lied „So ein Pech“, das wir am ersten Abend gespielt hatten; es ist ein Lied, zu dem man nur ein E-Moll braucht. Das klappte nun und wir konnten das Lied „abhaken“.

Es folgte ein kleines Klangspiel, bei dem die Gitarre als Lautgeber eingesetzt wurde.

Danach legten wir richtig los. Wir spielten mit zwei Griffen „Der Cowboy Jim“, „Was müssen das für Bäume sein“ und „Das Lummerlandlied“.
Da wir dann von unserer Stunde noch fünf Minuten hatten, habe ich noch schnell das D-Dur eingeführt und wir haben das Wechseln kurz geübt.

Danach war erst einmal hektisches Akkordekleben

Beim Lernen der Akkordgitarre ist es schwierig, gleichzeitig ein Lied, das man nicht kennt, mit einer Melodie, die man vorher noch nie gehört hat, einem Text, den man so schnell nicht auswendig kann und Akkorden, die man sich so und vor allem nicht so schwierig vorgestellt hat, zu singen und zu spielen. Das mit dem Singen lassen die meisten sowieso zu Beginn weg. Das ist das Schöne, wenn man in der Gruppe spielt: Einer singt immer, auch wenn mans nicht selber ist, und einer spielt auch den richtigen Akkord an der richtigen Stelle, während man selbst noch sucht. Und um aus dem Suchen (Wann muss ich wechseln, von wo aus muss ich wechseln, auf welchen Akkord muss ich wechseln) den Stress herauszunehmen, kann man sich in der ersten Zeit die Akkorde auf der Gitarre mit kleinen bunten Klebepunkten visualisieren. Meine Faustregel ist immer: Drei Punkte dürfen geklebt werden, soll ein weiterer Griff dazukommen, müssen für einen anderen Akkord die Klebepunkte entfernt werden. Irgendwann sind alle Punkte weg, wenn man weiß, wie man greifen muss, und sowieso nicht mehr hinschaut.

Mag nun so mancher Gitarrenlehrende aufschreien: Ich arbeite hier mit Erwachsenen, die mal ins Gitarrespielen hineinschnuppern möchten. Ich setze sie nicht mit Üben unter Druck oder damit, dass man nicht auf das Griffbrett sehen darf oder immer mitsingen muss. Gitarrespielen soll Spaß machen, und ich entlaste meine Teilnehmer zu Beginn so viel wie möglich. Und sie kommen weiter und lernen dazu. Zwar sehr langsam, das stimmt. Würde ich ihnen Druck machen, würden sie nicht mehr kommen. Und würden die Gitarre wieder zurück in den Keller legen.

Wussten Sie schon: Die Deutschen haben mehr Gitarren als Leichen im Keller.

Photo by Bruno M. from FreeImages

Veröffentlicht von Anne Haase

Dozentin in der Erwachsenenbildung, breit gefächert mit Schreibwerkstätten, Kursen zu Akkordgitarre für den Hausgebrauch, Begleiterin von lernenden Analphabeten. Ich mache noch mehr, aber das würde hier den Rahmen sprengen und ist für mein Bloggen nicht von Bedeutung.

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