Am Freitagabend war es wieder soweit: Das zweite Modul meiner Reihe „Gitarre für blutige Anfänger“. Die Teilnehmerzahl variierte bald täglich, zunächst hieß es, der Kurs würde ausfallen, weil zu wenige Anmeldungen vorlägen, am Ende wäre der Kurs voll gewesen, wenn eine Teilnehmerin nicht spontan einen Kurzurlaub angetreten und ihre Anmeldung storniert hätte. Ja, so etwas bekomme ich dann mitgeteilt, ich bin da wirklich froh, dass meine Teilnehmer mir Mitteilung machen, wenn sie verhindert sind. Manche kommen seit Jahren in meine Module und es ist immer wieder schön, wenn sich „alte Bekannte“ treffen.

„Gitarre für blutige Anfänger“ – meine Modul-Reihe bei der VHS Köln: heißt von Beginn an so. Um die Jahrtausendwende habe ich damit in der VHS Köln-Mülheim begonnen, da gab es drei Module, die ich mittlerweile auf sechs ausgebaut habe: Modul A mit den Akkorden e-Moll, E-Dur, A-Dur und D-Dur, Modul B als Wiederholung der Akkorde und Einführung eines ersten Rhythmusschlages, Modul C mit den Akkorden C-Dur, G-Dur und G7-Dur sowie einem zweiten Rhythmusschlag, Modul D als Wiederholung des bisher Gelernten, Modul E mit a-Moll, d-Moll, E6, E7, A6, A7, D7, und Modul F mit den geläufigen restlichen Akkorden unterhalb der Barree-Griffe. In jedem Modul gibt es über zehn Lieder, die – meist nur mit der ersten oder auch zweiten Strophe – gespielt werden, und einiges an Theorie: Wie die Gitarre gestimmt wird, was es mit den Westerngitarren und den Konzertgitarren auf sich hat, Vor- und Nachteile von Nylon-/Karbon- und Stahlsaiten, wo man Lieder findet, wie das mit dem Transponieren geht, wie ein Akkord aufgebaut ist, wie man die verschiedenen Darstellungen der Akkorde liest und so weiter.

Wichtig ist von Anfang an die richtige Haltung beim Spielen, sowohl körperlich beim Sitzen, der Finger und der Hand bei den Akkorden und die geistige Haltung in Bezug auf das Üben und den eigenen Schweinehund. Denn ich weiß aus meiner langjährigen Erfahrung, die mittlerweile bald ein Vierteljahrhundert für Musikunterricht beträgt, dass Erwachsene nicht jeden Tag üben können, weil es viele Sachen gibt, die einfach wichtiger sind. Wer eine Musikerkarriere anstrebt und jeden Tag mehrere Stunden übt, ist bei mir bei der falschen Dozentin. Denn für mich ist wichtig, dass meine Teilnehmer Spaß am Spielen haben und gerne kommen. Manchmal bedeutet das, dass sie die Gitarre nur in die Hand nehmen, wenn sie in meinem Gitarrenunterricht sitzen. Für mich ist das ok, solange es für sie auch in Ordnung ist. Der Erfolg ist zwar dann gering, aber immer noch bedeutend größer als wenn sie gar nicht spielen würden.

Zurück zu dem Freitagabend. Ein Teilnehmer kam tatsächlich ohne Gitarre. Er meinte, er würde Luftgitarre spielen und seine Finger würden sowieso vom Spielen so schnell wehtun – er hatte aber seit dem Modul A, das vor vier Wochen stattgefunden hatte, keine Gitarre mehr berührt. Ich fands schräg, er blieb, und nach kurzer Zeit schon teilten wir uns meine Gitarre: Ich spielte die Lieder vor, wir spielten einmal zusammen ohne ihn, dann spielte die Gruppe ohne mich. Hatte ich so auch noch nie, war aber ein interessantes Unterfangen.

Achja, die Finger taten weh: Das ist der Grund, weshalb meine Kurse „für blutige Anfänger heißen“: Die Module A, C, E und F sind jeweils drei Zeitstunden lang, B und D als Wiederholungen drei Unterrichtsstunden (2,25 Zeitstunden). Eine solch lange Zeit als Ungeübte Gitarre spielen heißt, dass die Finger wund sind und kurz davor, Blasen zu werfen oder eben – blutig zu werden …

Übrigens: Das Konzept eignet sich auch für Lehrer*innen, Erzieher*innen, Eltern, Großeltern, Jugendgruppenleiter*innen. Ich biete die Crashkurse im weiteren Umkreis an. Die Gruppenstärke kann bis acht Teilnehmer*innen betragen. Wer Interesse hat, kann sich melden: anne@haasefuchs.de

Photo by Rick Hawkins from FreeImages

Veröffentlicht von Anne Haase

Dozentin in der Erwachsenenbildung, breit gefächert mit Schreibwerkstätten, Kursen zu Akkordgitarre für den Hausgebrauch, Begleiterin von lernenden Analphabeten. Ich mache noch mehr, aber das würde hier den Rahmen sprengen und ist für mein Bloggen nicht von Bedeutung.

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