Manchmal ist man ja gerade zurück im Alltag angekommen, da muss man sich schon wieder auf den Weg zum nächsten Seminar machen. Und so bin ich im November zum zweiten Mal nach Wolfenbüttel, dieses Mal zu dem Seminar „In 7 Punkten zum Plot“ mit Jürgen Kehrer, gefahren.

Wie allen sicherlich bekannt ist, ist Jürgen Kehrer der Erfinder von Georg Wilsberg. Wobei der Fernseh-Wilsberg, dargestellt von Leonard Lansinck, sich mittlerweile von dem Buch-Wilsberg unterscheidet. Um Wilsberg ging es aber in den drei Tagen sozusagen nur am Rande, als nämlich Jürgen Kehrer in einer „Vorpremiere“ seinen zwanzigsten Wilsberg-Krimi in Teilen bei einer Lesung vorstellte.

Ich selbst habe Jürgen Kehrer als Dozent schon mehrmals erlebt; einmal bei einem Seminar in Wolfenbüttel, bei dem wir uns die Unterschiede zwischen planerischem und intuitiven Schreiben angesehen haben, ein anderes Mal bei einem Krimi-Workshop auf Norderney, bei dem die Teilnehmer gefühlt die Hälfte der sich auf Norderney befindlichen ermordeten. Mein damals entstandener Kurzkrimi erschien später in der Anthologie Ebbe, Flut und Todeszeiten.

In dem jetzigen Seminar setzten wir uns mit der Plotmethode von Dan Wells auseinander. Hierzu findet sich viel im Internet, zum Beispiel hier. Interessant fand ich bei dieser Methode, dass Dan Wells empfiehlt, mit dem Ende anzufangen. Also nicht dem absolut letzten Ende, nach dem der Vorhang fällt, sondern mit dem Ende der eigentlichen „Queste“. Um es in „Der Herr der Ringe“ zu erklären: Das Ende ist erreicht, als Frodo den Ring in die Lava wirft, das absolut letzte Ende ist die lange Abschiedsphase, die danach noch folgt. Nach diesem Ende überlegt man sich, wie der Anfang aussieht. Das wäre beim Tolkien-Beispiel der Moment, in dem Frodo an den Ring kommt. Auch hier kann man sehen, vorher geschieht auch schon so einiges, aber sowohl Anfang als auch Ende sind eben eng mit dem Protagonisten verbunden, der hier als Handelnder eben auch aktiv sein soll.

Wir haben uns die einzelnen Punkte an vielen Beispielen angesehen und schließlich selbst anhand von Märchen einmal versucht, die Plotpunkte unterzubringen. Dann gingen wir an unsere eigenen Texte und suchten Ende, Anfang, ersten Wendepunkt und ersten „Knackpunkt“ unserer Romane.

Mit diesen beschäftigten wir uns dann ungefähr zwei Drittel eines Seminartages. Jeder hatte schließlich die gleiche Zeitspanne und Aufmerksamkeit von Olaf Kutzmutz, Jürgen Kehrer und den anderen Teilnehmenden zur Verfügung. Es war interessant, lehrreich und sehr energiegeladen, was da an Kritikpunkten, Überlegungen, Vorschlägen und Diskussionen aufkam.

Die nächste Aufgabe war dann eine grobe Zusammenfassung aller Plotpunkte zu einem mehr oder weniger flüssigen Text, in dem in aller Kürze der komplette Roman erzählt werden sollte. Das wurde am Ende dieses Seminartages begonnen und konnte – je nach Schlafwunsch – die ganze Nacht weitergetrieben werden. Am letzten Tag beschäftigten wir uns dann mit den Ergebnissen.

Es war überwältigend zu sehen, wie verändert die vorher noch recht vagen Ideen waren, wie viel Form, Farbe und Dichte sie gewonnen hatten und wie sich auch Charaktere und ganze Handlungsstränge nun anders darstellten. Diese beiden Arbeitsschritte hatten um so viel mehr bewirkt, als ich es mir in zwei Tagen jemals hätte vorstellen können.

Wie immer war dann genügend Zeit für eine gründliche Feedbackrunde, in der sich alle sehr positiv über die gemeinsame Arbeit äußerten. Ich habe es auch als sehr kollegiales Arbeiten, das für die Romanideen sehr befruchtend war, empfunden.

Mit der Methode selbst hadere ich noch. Aber man sollte auch der 7-Punkte-Plot-Methode eine zweite Chance geben.

Photo by Andrew C. from FreeImages

Veröffentlicht von Anne Haase

Dozentin in der Erwachsenenbildung, breit gefächert mit Schreibwerkstätten, Kursen zu Akkordgitarre für den Hausgebrauch, Begleiterin von lernenden Analphabeten. Ich mache noch mehr, aber das würde hier den Rahmen sprengen und ist für mein Bloggen nicht von Bedeutung.

Kommentar hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: