1. bis 3. März 2020 in der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel

Im Vorfeld nannten wir es schon zum „Glückskäfertreffen“ um, und mit einem glücklichen Gefühl machte ich mich auch am Sonntag nach Wolfenbüttel auf. Ich bin drei Monate nicht mehr dort gewesen, es war Zeit, mal wieder „Akademie-Atmosphäre“ zu schnuppern.

Es war eine recht gemischte Gruppe, die sich da eingefunden hatte, altersmäßig waren die elf Teilnehmerinnen breit verteilt, auch aus mehrerer Frauen Länder waren sie angereist und ja: Außer dem Seminarleiter Olaf Kutzmutz war kein anderer Mann zugegen. Schade, eigentlich, denn auch Männer können ab und zu eine Portion Glück gebrauchen.

Vor der Vorstellungsrunde sollte zunächst die Hausaufgabe abgearbeitet werden, und hier zeigte sich, wer das Einladungsschreiben bis zum letzten Satz gelesen hatte. Hatte ich nicht, trotzdem war es mir ein Leichtes, eine Ein-Satz-Antwort auf die Frage „Was ist Glück?“ zu liefern. Schließlich war es das Thema des Seminars und ich hatte mich die letzten vier Wochen schon damit beschäftigt.

Eine bunte Mischung an Zetteln sammelte sich, und wir sahen, dass wir unter Glück alle was ähnliches und doch etwas ganz anderes verstanden – was für ein Glück! Denn so konnten wir drei Tage lang die Ansichten unserer Mitstreiterinnen über Texte und Diskussionen kennenlernen.

Natürlich ging es nicht nur um Glück, sondern auch um Mimimalgeschichten, deren gemeinsames Thema eben das Glück werden sollte. Ein Satz ist in den seltensten Fällen schon eine Minimalgeschichte, nach dem Beginn mit einem Satz erhöhten wir auf drei Sätze bis zu anderthalb DIN-A4-Seiten und reduzierten die Satzzahl bis auf drei in der letzten Übung, die wir am Dinestag gegen 11.45 Uhr gemeinsam in dieser Schreibwerkstatt absolvierten.

Dazwischen lagen, wie immer, drei Tage. Wer noch nicht in Wolfenbüttel war und den Ablauf nicht kennt: Ich habe ihn bereits in einem Blogeintrag geschildert.

Es folgten insgesamt dreizehn Übungen, verteilt auf sieben Blöcke Schreibseminar, mit anschließender Vorleserunde und mal kürzerer, mal längerer Besprechung. Glück war immer Thema, manchmal auch das Gegenteil, das Unglück, aber es gab immer viel zu lachen oder auch schon mal ein paar nachdenkliche Töne.

Interessant fand ich an diesen drei Tagen:

  • Auch kleinste Geschichten, die eigentlich komplett dem Alltag entspringen, können eine Menge Spannung enthalten
  • Es muss nicht immer alles auserzählt werden
  • Reduktion wirkt häufig Wunder
  • Nicht alles, was mir beim Schreiben klar ist, wird vom Leser verstanden
  • Der Leser ist es, nach dem ich mich richten muss, und nicht meine Wahrnehmung oder mein Wissen
  • Das von Olaf Kutzmutz uns nahegelegte Prinzip AMEN, nach dem wir schreiben sollten: A wie Anfang, M wie Mitte, E wie Ende und N – wie sollte es anders sein – für nächste Geschichte …

Außerdem weckte das Seminar in mir die Lust, mal wieder eine Schreibwerkstatt zu leiten, um die neuen Schreibübungen und Anregungen – nicht unbedingt mit dem Thema Glück, es gibt viele andere Möglichkeiten – wieder an die Frau oder den Mann zu bringen.

Heute Mittag in der Feedbackrunde stellten wir fest, dass die Zeit zu schnell vergangen war, wir gar nicht wirklich nach Hause fahren wollten und alle bestimmt mal wieder an einem Seminar teilnehmen – die eine früher, die andere später.

Ein rundum ruhiges, sorgloses und vor allem glückliches Seminar!

Ach ja, und über die Glückskäfer haben wir natürlich auch geschrieben …

Veröffentlicht von Anne Haase

Dozentin in der Erwachsenenbildung, breit gefächert mit Schreibwerkstätten, Kursen zu Akkordgitarre für den Hausgebrauch, Begleiterin von lernenden Analphabeten. Ich mache noch mehr, aber das würde hier den Rahmen sprengen und ist für mein Bloggen nicht von Bedeutung.

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