„Konzeptentwicklung bei Sachbüchern und Ratgebern“
Ein Webinar von Cordula Natusch

Geht sachliches genau so wie literarisches Schreiben? Das ist eine Frage, die seit Kurzem für mich sehr aktuell ist. Zwar habe ich schon einiges an sachlichen Texten und sogar ein Nachmittagsschulbuch geschrieben, aber mein Sachbuchprojekt liegt auf Eis, weil ich nicht den rechten „Pack-an“ hatte. Es war schon schwer, die richtigen Fragen zu stellen, um meinem Projekt auf die Spur zu kommen.

Mit Corona ploppten bei Twitter im regelmäßigen Takt Tweets, Retweets und Hinweise zu den verschiedensten Angeboten, was man so alles mit seiner Freizeit (da wussten einige noch nicht, dass dieser Begriff bei Home Office nicht zutrifft) anstellen kann, auf. Ein Retweet (gute Vernetzung der schreibenden Zunft!) trudelte bei mir ein, in dem Cordula Natusch dazu einlud, an einem kostenlosen Webinar zur Konzeptentwicklung bei Sachbüchern und Ratgebern teilzunehmen, das eigentlich für die – ausgefallene – Büchermesse geplant gewesen war. Eine Sachbuch-Expertin: Da Sachbücher bisher nicht unbedingt mein Tummelplatz waren, waren mir Cordula Natusch und ihre Webseite vorher nicht bekannt gewesen. Ich war neugierig, hatte Zeit und Lust, mir mal anzusehen, wie so eine Online-Schulung bei anderen aussieht, und meldete mich an.

Zu Beginn lief leider einiges schief, ich kam nicht in den Konferenzraum rein und konnte auch niemanden per Mail oder Twitter erreichen. Aber Cordula Natusch reagierte schnell auf meine frustrierten Meldungen, es war nicht nur mir so ergangen, und sie bot allen Gestrandeten einen zweiten Start am 17. März an.

Dieser klappte dann ausgesprochen gut, wir waren einige, die das Angebot – und auch das netterweise zweite – angenommen hatten. Und wurden mit sehr gutem fundiertem Fachwissen und von mir auch sehr geschätztem Realismus und Pragmatismus durch eine äußerst interessante halbe Stunde geführt. Ich kam mit dem Mitschreiben kaum nach, denn Cordula Natusch erzählte viel zum Thema, und da Thema ist nicht nur ein weites Feld, sondern besteht aus mehreren Ländern.

Es ging zunächst einmal darum, wie man ein Konzept entwickeln kann, um an diesem alles, was das zu schreibende Buch angeht, abwickeln kann. Mit dieser Methode spart man viel Zeit und Energie, weil man immer einen roten Faden hat. Für mich als intuitive Schreiberin natürlich ein Gräuel, aber gerade beim Sachbuchschreiben macht das enormen Sinn. Während des Vortrags und auch danach hatten wir die Möglichkeit, über die Chatfunktion des Konferenzraums unsere Fragen zu stellen, aber das wurde nur mäßig in Anspruch genommen, denn es wurde alles gut und ausführlich erklärt. Cordula Natusch gab viele Tipps, wie das Konzept auch für die andere Arbeiten als nur das reine Schreiben eingesetzt werden kann, und vollgepackt mit vielen neuen Ansätzen, aber auch dem Gefühl, dass ich schon vieles gewusst, aber noch nicht einsortiert hatte, ging ich aus diesem Webinar und hatte ein paar Tage Zeit, das Gehörte und Gelernte zu verarbeiten.

Am 21. März ging es weiter, überraschenderweise war die Gruppe nicht größer. Es schienen sich doch einige, die insgesamt ja an zwei Auftakt-Konferenzen teilgenommen hatten, verabschiedet zu haben. Hier trennte sich anscheinend schon die Spreu vom Weizen. Aber das ist eine Erfahrung, die ich auch immer wieder mache: Sobald man davon spricht, dass ein Buch sich nicht von selbst schreibt und die eigentliche Arbeit nach dem ersten Runterschreiben erst richtig anfängt, verlieren viele das Interesse. Die Überlegung sollte aber sein, weshalb irgendjemand ein Buch, das nicht ordentlich gemacht wurde, kaufen soll? Ein guter Hinweis dazu war, dass man von jedem Buch für die folgenden Bücher lernt und sie so auf jeden Fall nötig sind, die weiteren Bücher aber mit Sicherheit besser werden.

An diesem zweiten Termin ging es um die Frage: Selfpublishing oder Verlag? Unter anderem fielen die Schlagworte Erfolgsfaktoren, Qualität, Sichtbarkeit, Überarbeitung, Covergestaltung Dienstleister und Lektorat. Sie erklärte gut, wie das eine mit dem anderen zusammenhing, weshalb man ein gutes Buch nicht alleine bewerkstelligen kann, sondern immer professionelle Hilfe beanspruchen sollte, und dass ein gutes Netzwerk von großer Bedeutung ist.

Insgesamt ging dieser Webinarteil über eine ganze Stunde. Cordula Natusch war so begeistert von ihrem Thema und es kamen auch einige interessiert Fragen, sodass beide Bereiche – einmal Selfpublishing und einmal Verlag – jeweils dreißig Minuten behandelt wurden. Am Ende wurde uns eine kleine Challenge angeboten, die am Montag, 23. März starten und bis zum Freitag, 27. März gehen sollte.

Die Challenge-Termine gingen über eine halbe Stunde (der letzte wieder deutlich länger J) und hatten einen gleichen Aufbau. Die Themen waren

  • Montag: Zielerreichung
  • Dienstag: Schreibthemen
  • Mittwoch: Zielgruppen
  • Donnerstag: Konkurrenzanalyse
  • Freitag: Gliederung

Zunächst referierte Cordula Natusch etwa 25 Minuten zu dem Thema, dann folgte eine Fragerunde – sofern die Fragen nicht bereits zwischendurch gestellt und beantwortet wurden -, und dann erhielten wir eine aufs Thema bezogene Aufgabe für den nächsten Tag. Natürlich wurde diese Aufgabe nicht bis ins kleinste Detail ausgearbeitet; aufgrund der kurzen Zeiten war der Fokus auf eventuellen Schwierigkeiten mit oder Bemerkungen zu der Aufgabe. Aber letztlich waren die Aufgaben die, die man sich selbst bei der Produktion eines Sachbuches stellen sollte. Mich selbst haben sie sehr viel weitergebracht, zum einen, weil ich eine andere Sicht auf die Arbeit bekam, zum anderen, weil ich mich in vielen Punkten bestätigt sah: Ein Sachbuch zu schreiben ist in Teilen genauso wie Belletristik zu schreiben – nur anders!

Cordula Natusch fragte uns am Schluss des Webinars, ob wir eventuell an einer Betaversion ihres Webinars zum Sachbuchschreiben teilnehmen wollten, und ich glaube, außer einer Teilnehmerin waren alle begeistert. Diese wollte sofort mit der Umsetzung ihrer Idee starten und sicherte sich Cordula Natusch direkt als Expertin in Coaching für ihr Projekt. Mein Neid begleitete sie: Hätte ich vorher gewusst, wie toll ich in das Thema eingeführt würde und wie gut und sachlich Cordula Natusch arbeitet, hätte ich mein Projekt bis zum Termin auch auf einen Punkt gebracht, an dem es für mich interessant gewesen wäre, direkt weiter tief einzutauchen.

So bleibt mir nur, an dieser Stelle Cordula und Stefan, der streckenweise im Hintergrund für die Technik sorgte, nochmals für ein tolles Webinar zu danken: Die Dauer der einzelnen Einheiten war hübsch gering, der Input war enorm, und ich habe viel für mich herausgezogen. Für eine kostenlose Veranstaltung hatte dieses Webinar ein extremst gutes Preis-Leistungs-Verhältnis!

Für eine pekuniär honorierte Veranstaltung würde ich mir ein individuelles Eingehen auf die einzelnen Projekte und eine stärkere Vernetzung der Teilnehmende – zumindest für die Dauer des Webinars – wünschen, vielleicht auch an einigen Stellen Überarbeitungen von gestellten Aufgaben durch die Dozentin. Und ja: Ich bin auf jeden Fall dabei!

Veröffentlicht von Anne Haase

Dozentin in der Erwachsenenbildung, breit gefächert mit Schreibwerkstätten, Kursen zu Akkordgitarre für den Hausgebrauch, Begleiterin von lernenden Analphabeten. Ich mache noch mehr, aber das würde hier den Rahmen sprengen und ist für mein Bloggen nicht von Bedeutung.

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